Verloren in meinen Gedanken, niemand da, der mich befreit. Ich drehe mich im Kreis, seelisch, wie körperlich. Strecke beide Arme von mir, auf der Suche nach Halt... Ich schließe die Augen, spüre den Wind, und verliere die Orientierung. Ich lasse mich tragen vom Gefühl des Schwebens. Gleich darauf überkommt mich die Unsicherheit. Ich öffne die Augen und lasse mich vom Schwindelgefühl erschöpft ins Gras sinken. Ich fixiere einen Punkt, eine Blume. Ich starre sie an und bemerke, wie sie strahlt... strahlt vor Glück, wachsen zu dürfen, den Wind und den Regen spüren zu können, die Welt erleben zu dürfen. Ich stehe auf und beschließe, eine Blume zu sein.

24.6.13 10:28, kommentieren

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Die Eiche- oder ich?

Der Regen prasselt gegen die Autoscheibe. Ab und zu tropft von der Eiche, unter der ich stehe, eine dicke Träne aufs Autodach. Die Eiche scheint unter der Last des Regens zusammenzubrechen. Ich blicke nach oben ins Geäst der Eiche: mir fällt auf, wie wunderschön grün sie ist, wie voll ihr Blätterkleid und wie kräftig sie wirkt. Doch nur auf den ersten, flüchtigen Blick. Beim genaueren Hinsehen hat ihre wunderschöne Fassade viele Stellen, an denen diese bröckelt: die Blätter sind löcherig...etwas Wichtiges scheint ihnen zu fehlen, um komplett sein zu können...einige Äste sind sogar ganz blattlos; scheinen gar tot. Trotz der Makel wirkt die Eiche auf mich mächtig. Selbstsicher wiegt sie ihre einzelnen Arme im Wind und lässt sich tragen.

28.5.13 22:05, kommentieren

Kurzgeschichte mit Aufgabenstellung

AUFGABE: Schreibe drei Fragen auf, die du einer fremden Person niemals stellen würdest. Tausche deine Fragen mit denen deines Partners und schreibe in 15 Minuten eine Kurzgeschichte, die alle drei Fragen enthält und in einen Zusammenhang bringt. FRAGEN: "Wachsen Ihre Augenbrauen zusammen?", "Sind das Ihre Dritten?", "Das hässliche Kind da vorn; ist das Ihres?" GESCHICHTE: Ich fühle mich wie eine Ölsardine: selbst leicht verschwitzt durch diese unfassbare Hitze befinde ich mich im Bus; eingefercht zwischen einer dicken, stinkenden Frau, die ihren Köter, der eher einer Ratte gleicht, im Arm hält und einem alten, aus dem Mund nach Nikotin stinkenden Mann. Ich hasse Situationen wie diese; es sind die einzigen, in denen ich mir die typisch deutschen Novembertage zurück wünsche. "Wachsen Ihre Augenbrauen zusammen?", höre ich eine Kinderstimme fragen. Ich blicke mich um und sehe ein mit rosa Rucksack ausgestattetes Mädchen auffordernd in die Augen der "Ratten-Dame" blicken. "Hör ma, Mädschen...komm' du erschtma in mein Alter...da komscht mit'm Wegmachen nich hinterher...da sprießt es von überall her!" Das Mädchen scheint zufrieden mit der Antwort und wendet sich dem Mann hinter mir zu. Kurz zuvor war dieser so freundlich gewesen, seinen Atem in eine andere Richtung als meinen Nacken zu lenken. "Sind das Ihre Dritten?", fragt das Mädchen frech. Der Mann greift ohne zu zögern in seinen Mund: "Willscht ma?", fragt er sie und hält ihr breit grinsend sein Gebiss vor die Nase. Das Mädchen erschrickt und stolpert zurück auf ihren Platz. Fassungslos murmelt sie: "Der hat Plastik-Zähne...!" Plötzlich spüre ich eine Faust in meinem Rücken: "Das hässliche Kind da vorn...ist das Ihres?", fragt der Mann nun wieder Nikotinwolken in meine Richtung befördernd. Ich halte die Luft an, drehe mich ein wenig zur Seite und sage in einem ausatmenden Stoß: "Sie spricht nur das, was alle denken!" (Nach Ablauf der 15 Minuten wurden keine Änderungen vorgenommen.)

28.5.13 21:32, kommentieren